Wachstum & Wachstumsstörungen


Wachstum und Gewichtsentwicklung von Geburt bis zum 4. Lebensjahr

Eltern freuen sich über das Gedeihen ihres Kindes, jeder Zentimeter, jedes Gramm ist "ein Erfolg", beruhigt und macht zuversichtlich. Dies trifft besonders für die Säuglingszeit zu- einer Zeit, in der noch wenige andere Parameter darüber Aufschluß geben, ob "alles richtig läuft", ob "alles richtig gemacht wird". In dieser Entwicklungsphase widmen auch Kinderfachärzte dem Gedeihen, also der Zunahme von Körpergewicht und Körperlänge, viel Aufmerksamkeit. Eine ungenügende Gewichtszunahme, und oft gefolgt von einem verzögerten Größenwachstum können im ersten Lebensjahr auf eine mangelhafte Aufnahme von wichtigen Nährstoffen (medizinischer Ausdruck : Malabsorption) hinweisen.

Glücklicherweise sind solche Erkrankungen im Säuglingsalter sehr selten!

Wachstum.at stellt für die Beurteilung des Gedeihens im Säuglings-und Kleinkindesalter die geeigneten Vergleichswerte gesunder Kinder zur Verfügung:

Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Verfügung gestellten sogenannten "WHO Standards".

Der Begriff "Standard" bedeutet, dass unter optimalen Bedingungen betreffend Ernährung, sozialer- und Umweltfaktoren ein Verlauf der Längen und Gewichts/BMI-Werte im statistischen "Normbereich" erwartet wird.

Die Kinderärztin bzw. der Kinderarzt wird eine medizinische Abklärung einleiten, wenn es zu einem Abfall der jeweiligen Perzentilen oder SDS kommt.

Referenzen der Körpergröße und des Ernährungszustandes jenseits des Säuglings- und Kleinkindesalters

Ab dem Alter von 2-5 Jahren übernehmen zunehmend andere Faktoren die Steuerung des Wachstums: Gene und Hormone.

Aus diesem Grund werden ab dem späten Kleinkindesalter Vergleichswerte herangezogen, die geographisch, genetisch bzw. ethnisch repräsentativ sind.

Für wachstum.at stehen die ersten österreichischen Referenzendaten zur Verfügung (APEDÖ Referenzen zur Körpergröße und den Körperproportionen2).

Auf welcher Perzentile ein Kind wächst, wird hauptsächlich durch Gene festgelegt. Die "Erwartungsgröße" eines Kindes kann mit einer sehr einfachen Formel als sogenannte "genetische Ziellänge (ZL)55" dargestellt werden. Wachstum.at zeigt zur Orientierung über den "genetischen Hintergrund" die ZL sowohl als SD Score (siehe Stammdaten) als auch in der Perzentilenkurve für die Körpergröße an. Die "genetische Ziellänge" ist eine Zusatzinformation, keine Prognose und auch kein Ausdruck persönlicher Erwartungen!

Hat mein Kind eine Wachstumsstörung?

Auf welcher Perzentilenlinie ein Kind wächst, hängt also vor allem vom "genetischen Hintergrund" ab, also von den Körpergrößen der Eltern. Es ist jedoch keineswegs ungewöhnlich, wenn das Wachstum von Kindern auf von der genetischen Ziellängen-Perzentile abweichenden Linien verläuft.

Eine Körpergröße an den statistischen Randbereichen oder darunter bzw. darüber ist nicht gleichbedeutend mit einer Wachstumsstörung!

Typisch für familiär-genetische Normvarianten ist das Wachstum an einer Linie, zwischen zwei Linien oder auch ein Wachstum parallel unterhalb der 3. oder oberhalb der 97. Perzentile.

Verläuft das Wachstum eines Kindes sehr unterschiedlich zum genetischen Hintergrund und/oder werden Perzentilen "gekreuzt", wird die Kinderfachärztin bzw. der Kinderfacharzt eventuell weitere Untersuchungen einleiten.

Eine Über- oder Unterproduktion von Hormonen führt nach dem 2. bis 3. Lebensjahr stets zu einem "Kreuzen" der Perzentilen. Hier ist das tatsächliche Wachstum vermindert oder beschleunigt, man spricht von einer Wachstumsstörung.

Bei Vorliegen einer Wachstumsstörung ist die Beurteilung der sogenannten Körperproportionen (Sitzhöhe, Beinlänge) wichtig. Hierfür wird das Verhältnis von Sitzhöhe und Beinlänge berechnet. Referenzwerte stehen ab dem 4. Lebensjahr zur Verfügung.

Ist mein Kind über- oder untergewichtig?

Für die Beurteilung des Ernährungszustandes wird der sogenannte Body Mass Index (BMI) herangezogen (BMI= Körpergewicht in kg durch Körperoberfläche in m2). Die BMI Formel berücksichtigt bereits den Einfluss der Körpergröße auf das Körpergewicht. Für Erwachsene gibt es gute Grenzwerte, um Normalgewicht (BMI 18-25) von Untergewicht (BMI<18) und Übergewicht (BMI>25) abzugrenzen.

Für Kinder stellt sich die Situation komplexer dar: Da sich der Ernährungszustand von Kindern, gemessen am BMI, vom Säuglingsalter bis hin zum Erwachsenenalter ändert, werden analog zum Längenwachstum nicht die absoluten BMI Werte verwendet (die in der Messwertetabelle nach dem Gewicht aus der obenstehenden Formel berechnet werden), sondern wiederum spezielle Scores berechnet:

Die WHO liefert hier durch die WHO Standards von 0-4 Jahren sehr geeignete Vergleichswerte zum Ernährungszustand gesunder Säuglinge und Kleinkinder. Wachstum.at berechnet den SD-Score gemäß dieser Standards, das Ergebnis wird in der Tabelle dargestellt.

In Analogie zu den SDS für die Körpergröße bedeutet ein Wert von "0" einen durchschnittlichen Ernährungszustand (Gewicht bezogen auf die Körpergröße), bei SDS > +1 spricht man von Übergewicht, bei > +2 von Adipositas. Untergewicht wird weniger klar bei einem SDS < -2,0 definiert.

Im Säuglingsalter ist auch das Verhältnis "Körpergewicht zu Körperlänge" informativ. Wachstum.at stellt diesen Wert in einer eigenen Perzentilenkurve dar.

Für die Beurteilung des Ernährungszustandes nach dem Alter von 5 Jahren greift die WHO auf sehr alte Datensätze zurück. Diese stammen aus einer Zeit, in der Kinder noch nicht so häufig übergewichtig waren wie heute. Da einige Gesundheitseinrichtungen nach wie vor diese WHO BMI-SDS nutzen, um ggf. Maßnahmen einzuleiten, stellt wachstum.at auch diesen Score in der Messwertetabelle zur Verfügung.

Empfehlung: Wachstum.at, die APEDÖ und ÖGKJ empfehlen die Verwendung des sogenannten Equi-BMI: Hier werden die aktuellen Daten zum Ernährungszustand österreichischer Kinder statistisch so berechnet, dass eine Interpretation hinsichtlich Risikofaktoren für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen beinhaltet ist. Die Equi-BMI Werte werden sowohl in der Messwertetabelle als auch als separate Graphik dargestellt, wobei die Klassen "Normal-", "Über-" und "Untergewicht" direkt in der Kurve eingezeichnet sind.

Was ist das "Knochenalter"?

Im Kindesalter sind die sogenannten Wachstumsfugen, also dasjenige Gewebe, in welchem das Längenwachstum der Knochen erfolgt, im Röntgenbild sichtbar. Die Skelettreife eines Kindes (oft "Knochenalter" genannt) wird durch Vergleich zahlreicher Abschnitte im Handskelett (am sogenannten "Handwurzelröntgen") mit alterstypischen Vergleichsbildern definiert. Ob die Durchführung eines Handwurzelröntgens bei Ihrem Kind einen wichtigen Zusatzbefund liefert, sollte durch eine(n) SpezialistIn für Wachstumsstörungen festgelegt werden.